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Die wichtigsten Qualitäten eines guten Fahrzeug-Produktionspartners

Bernd Schwarz
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3 min Lesezeit

In den letzten 20 Jahren hat sich die Automobilindustrie grundlegend gewandelt: Elektrische Antriebssysteme haben den Aufbau von Fahrzeugen grundlegend verändert. New-Mobility-Konzepte hinterfragen die Rolle des Fahrzeuges im Verkehr. Technologische Megatrends wie das Software-definierte Fahrzeug verändern das Verständnis des Autofahrens. Der ostasiatische Markt wird immer wichtiger – sowohl als Importeur sowie Exporteur innovativer Fahrzeugkonzepte. Und schließlich stellen Ressourcen- und Energieengpässe globale Lieferketten auf eine harte Probe.

Für Fahrzeughersteller haben diese Veränderungen viele, oft nicht sofort erkennbare Konsequenzen. Als Folge richten die etablierten Hersteller ihre eigenen Prozesse und Strategien neu aus, um auch weiterhin am Markt wachsen zu können. Fahrzeug-Produktionspartner können bei dieser Aufgabe maßgeblich unterstützen – vorausgesetzt, sie erfüllen selbst die notwendigen Kriterien.

INHALTSVERZEICHNIS
> Warum sind Fahrzeug-Produktionspartner gerade jetzt wertvoller denn je?
> Auf welche Eigenschaften sollten Fahrzeughersteller bei der Wahl ihres Produktionspartners achten?
> Was macht eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen OEM und Produktionspartner aus?
> Zusammenfassung
> Ausblick

WARUM SIND FAHRZEUG-PRODUKTIONSPARTNER GERADE JETZT WERTVOLLER DENN JE?

Die Beziehung zwischen OEM und Fahrzeug-Produktionspartner wandelt sich angesichts sich verändernder Rahmenbedingungen auf vielerlei Ebenen. Natürlich lässt sich nicht genau vorhersehen, welche Rolle Partner wie Magna Steyr in Zukunft spielen werden – in Anbetracht der aktuellen Trends und Herausforderungen werden sie jedoch auch in Zukunft wichtig für OEMs sein.

5 Szenarien für eine Zusammenarbeit mit Fahrzeug-Produktionspartnern

Allgemein gibt es fünf Szenarien, weshalb Kapazitäten von Fahrzeugherstellern ausgelagert werden:

  1. Für ein neues Fahrzeug ist eine besonders schnelle Anlaufzeit erforderlich, intern ist aber keine Kapazität vorhanden (Generalunternehmer).
  2. Der Hersteller möchte ein schwer integrierbares Modell produzieren (Solitärfertigung).
  3. Ein Projekt soll partiell ausgelagert werden, um die interne Produktionskette nicht zu überlasten (Split-Fertigung).
  4. Ein Auslaufmodell soll zugunsten freier interner Kapazitäten ausgelagert werden (Auslaufproduktion).
  5. Bestehende Produktionskapazitäten reichen für plötzliche Produktionszahlenänderungen nicht aus (Spitzenabdeckung).

Externe Partner fertigen also jene Modelle, die schwer in das Hersteller-eigene Produktionskonzept integrierbar sind. Von Markteinsteigern zu Auslaufmodellen, von Nischenfahrzeugen zu überschüssigen Kapazitäten der Hauptserie – ein kompetenter externer Fertigungspartner kann interne Kapazitäten wirkungsvoll entlasten.

In jedem Fall geht es bei ausgelagerten Modellen tendenziell um kleinere bis mittlere Stückzahlen. Genau das ist jedoch wichtig, um die Rolle von Fahrzeug-Produktionspartnern in der sich verändernden Industrie zu verstehen.

Optimierte Prozesse lassen weniger Raum für Schwankungen und Nischenfahrzeuge

Eine der gravierendsten, aber häufig übersehenen Konsequenzen der aktuellen globalen Umwälzungen ist es, dass Fahrzeuge zwar auf immer kleinere Zielgruppen und spezifischere Anwendungen zugeschnitten werden, die Fahrzeughersteller jedoch zugleich einen möglichst effizienten und regelmäßigen Ablauf in ihrer Fertigung sicherstellen müssen. Zum einen lösen Hersteller dies mithilfe modularer Plattformkonzepte, zum anderen jedoch achten sie darauf, die eigenen Prozess so weit wie möglich zu optimieren.

Hersteller müssen Effizienz und Flexibilität gegeneinander abwägen
TJe höher die Unterschiede zwischen einzelnen Modellen sind, desto schwieriger ist es, sie alle in eine einheitliche und effiziente Fertigungskette zu integrieren. So ergibt sich ein Konflikt zwischen einer möglichst effizienten Wertschöpfungskette und einem möglichst anpassungsfähigen AME-Konzept. Für unerwartete Stückzahländerungen und Nischenmodelle bleibt dann oft kein Platz mehr in der eigenen Fertigung.

Hier können Fahrzeug-Produktionspartner helfen: Fahrzeughersteller können die Produktion „störender“ Modelle einfach auslagern! Allerdings sollte ein Produktionspartner für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit mehr als nur eine zusätzliche Produktionsanlage bieten.

AUF WELCHE EIGENSCHAFTEN SOLLTEN FAHRZEUGHERSTELLER BEI DER WAHL IHRES PRODUKTIONSPARTNERS ACHTEN?

Bei der Wahl eines Fahrzeug-Produktionspartners gibt es – mehr oder weniger unabhängig von den exakten Anforderungen des Herstellers – einige Eigenschaften, die unbedingt berücksichtigt werden sollten.

Eine globale Präsenz

Ein guter Fahrzeug-Produktionspartner zeichnet sich dadurch aus, dass er in allen wesentlichen Märkten vertreten ist. Um auch weiterhin zu wachsen, suchen viele OEMs die traditionell in Europa, Nordamerika oder China vertreten sind, den Weg in einen jeweils neuen Markt. Partner, die in allen drei Märkten präsent sind, eignen sich als ideale Brückenbauer, um OEMs wirtschaftlich wie auch kulturell an neue Märkte andocken zu lassen.

Magna Steyr etwa bietet bereits fest etablierte Kapazitäten in Europa und Asien sowie wachsende Kapazitäten in Nordamerika. Dadurch erleichtert sich der Einstieg in einen neuen Markt für Fahrzeughersteller deutlich. Die existierenden Werke beschleunigen die Anlaufphase und die Kenntnisse von Magna Steyr hinsichtlich der Besonderheiten der jeweiligen Märkte unterstützen beim Aufbau einer langfristigen Präsenz.

Hohe Integrationsgeschwindigkeit

Die Integration externer Partner in ein Projekt bringt immer gewisse Hürden mit sich: Ziele müssen festgelegt werden, Verantwortungen werden verteilt, Kommunikationskanäle etabliert usw. Hierbei ist es insbesondere wichtig, die individuellen Anforderungen des Gegenübers zu kennen und geeignete Schnittstellen zwischen den Systemen in Produktion, Kommunikation und Organisation zu finden.
Wie schnell ein Fahrzeug-Fertigungspartner den internen Ramp-up letztendlich abwickeln kann, hängt dabei besonders von zwei Faktoren ab:

  1. Wie vertraut ist der Partner mit den OEM-internen Prozessen?
  2. Wie flexibel sind Workforce und AME-Konzept des Fahrzeug-Fertigungspartners?

Konkret heißt dies, dass Fertigungspartnern, die bereits viele verschiedene Projekte in guter Time-to-Market abgeschlossen haben, die Integration in neue Projekte leichter fällt – besonders dann, wenn sie für den jeweiligen Hersteller bereits Projekte abgeschlossen haben.

Dank seiner langjährigen Geschichte als Gesamtfahrzeuglieferant gehört Integration in bestehende Prozesse zu Magna Steyrs Kernkompetenzen. Dank vieler erfolgreich umgesetzter Projekte besitzt Magna einen großen Erfahrungsschatz, um Aufträge schnell und mit geringer Vorlaufzeit zu erfüllen.
Zu diesem Zweck entwickelt Magna auch die internen IT-Systeme ständig weiter, um nahtlose Schnittstellen zwischen Fahrzeughersteller und internen Prozessen zu schaffen.

Eine flexible und langfristig ausgelegte Prozesslandschaft

Flexibilität ist in der Automobilfertigung die Fähigkeit, sich frühzeitig an eine sich schnell und regelmäßig wechselnde Produktionsumgebung anzupassen. Konkret bedeutet dies: Werke und die darin laufenden Produktionsprozesse müssen auf eine Art und Weise konzipiert werden, die bereits potenzielle künftige Erweiterungen mitberücksichtigt.

Dies erfordert zum einen, dass Werksflächen künftige Prozesse und Schritte bzw. Werkzeuge und Maschinen schon jetzt berücksichtigen, zum anderen, dass der existierende Platz optimal genutzt wird.
Auch die Mitarbeiter_innen in den jeweiligen Werken haben eine wichtige Rolle – denn auch sie müssen in der Lage sein, mit den sich konstant verändernden Arbeitsprozessen Schritt zu halten.

Stetige Prozessoptimierung und insbesondere die höher werdende Differenzierung innerhalb der Fertigungsprozesse erfordern, dass Mitarbeiter innerhalb diversifizierter Produktionsketten nahtlose Übergänge schaffen und neue Prozesse und Aufgaben schnell verinnerlichen und umsetzen.
Magna Steyr verwendet dazu das im gesamten Magna-Konzern gültige Produktionssystem – das Magna Factory Concept (MAFACT). Dieses Konzept wird von Anfang an im Fertigungsprozess implementiert, mit dem Ziel, einzelne Prozesse durch kontinuierliches Monitoring auf Basis festgelegter KPIs laufend zu verbessern.

Gesamtfahrzeugkompetenzen

Zuletzt sollte ein guter Fahrzeug-Produktionspartner nicht nur Kenntnisse in Fertigung oder Werksplanung haben, sondern auch Kompetenzen im Gesamtfahrzeugprozess – also von der Idee bis zur Serienfertigung – besitzen.

OEMs profitieren von solchem gesamtheitlichen Know-How, weil sie dann Entwicklung und Produktion komplett an einen Partner auslagern können, um sich besser auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Indem Fahrzeuge auch extern entwickelt werden, minimieren sich Zeit- und Personalaufwand für Fahrzeughersteller auf die Kommunikation mit dem Partner. Die frei gewordenen Ressourcen stehen dann für die Entwicklung der eigenen Hauptprojekte zur Verfügung.

Doch auch wenn Hersteller „nur“ ihre Produktion an einen Partner auslagern, bietet gesamtheitliche Erfahrung einen entscheidenden Benefit: Wenn interne Entwicklungsteams beim Partner vorhanden sind, können Entwicklung und Produktion direkt vor Ort kommunizieren. So fällt es leichter, etwaige Konflikte und Ungereimtheiten aus dem Weg zu räumen.

Magnas One-Stop-Shop für Gesamtfahrzeugentwicklung ist unter europäischen Partnern einmalig: Von der Idee bis zur Serienfertigung, vom Karosseriebau und Antrieb bis hin zu Elektrik, Elektronik und Software kann Magna jeden Prozess der Fahrzeugentwicklung abdecken.
Diese Expertise ermöglicht es Magna, Fahrzeugprojekte in ihrer Gesamtheit zu betrachten und Prozesse sowohl für sich betrachtet als auch Gesamtfahrzeug-übergreifend zu optimieren und zu adaptieren.

WAS MACHT EINE ERFOLGREICHE PARTNERSCHAFT ZWISCHEN FAHRZEUGHERSTELLER UND PRODUKTIONSPARTNER AUS?

Alle oben genannten Faktoren bilden die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Deshalb ist es bereits vor der ersten Kontaktaufnahme wichtig, einen Partner zu suchen, der die eigenen Anforderungen kompetent unterstützen kann und der in der Lage ist, Risiken der Fahrzeugproduktion zu minimieren.

Vor allem aber müssen Fahrzeughersteller und Produktionspartner auf derselben Wellenlänge sein. Beide Parteien müssen dabei auf Augenhöhe miteinander sprechen, Aufgaben und Zuständigkeiten untereinander klar verteilen sowie stetige Kommunikation und Informationsaustausch sicherstellen.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Magna Steyr

Auch unsere Erfahrung zeigt: Für erfolgreiche Kooperationen sind nicht nur technische Fähigkeiten entscheidend. Genauso wichtig sind ein offener und gleichberechtigter Umgang zwischen den beiden Parteien, ein gemeinsames Verständnis, die jeweiligen Unterschiede als Stärken zu betrachten, und natürlich das Interesse, von der Zusammenarbeit gemeinsam zu profitieren.

ZUSAMMENFASSUNG

Fassen wir die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen:

  • Produktionspartner können aus verschiedenen Gründen einen Vorteil für Fahrzeughersteller bieten – sei es, um Kapazitäten optimal auszulasten oder um Aus- oder Anlaufmodelle zu übernehmen und so den Erfolg eines neuen Produktes zu unterstützen.

  • Die ausgelagerten Stückzahlen sind oft geringer – eine Entwicklung, die sich auch am Fahrzeugmarkt auftritt, jedoch nicht nur Gutes für OEMs verheißt. Kleinere Stückzahlen erfordern höhere Komplexität bei geringerem Umsatz.

  • Bei der Wahl eines geeigneten Produktionspartners kommt es also vorwiegend auf 4 Faktoren an: Globale Präsenz des Partners, hohe Integrationsgeschwindigkeit, flexible Fahrzeugprozesse und Gesamtfahrzeugfähigkeiten. Doch für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen die Partner auch auf Augenhöhe kommunizieren und interagieren.

AUSBLICK

Kooperationen zwischen Fahrzeugherstellern und Partnern werden in Zukunft mehr und mehr zur Norm in der Automobilindustrie. Neue Anforderungen des Marktes, neue technologische Trends und Entwicklungen sowie aktuelle globale Herausforderungen lassen sich gemeinsam am besten lösen.

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Bernd Schwarz ist verantwortlich für „Projects Manufacturing“ bei Magna Steyr. Er absolvierte die Reifeprüfung an der HTL Klagenfurt und ist seit 1995 bei Magna Steyr (damals Steyr Daimler Puch) beschäftigt. Ausgehend von einer Position in der Produktionsplanung, war er im Laufe seiner Karriere in verschiedenen Gesamtfahrzeug-Fertigungsprojekten involviert – in späteren Jahren auch in leitender Position.

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